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Altes bewahren . . .

The old Spirit of Tai Chi


Auf diesen Seiten läuft Dir an manchen Stellen eine Bezeichnung über den Weg: 
„The old Spirit of Tai Chi“

Was es damit auf sich hat

Hier auf den Seiten habe ich bereits erwähnt, welchen Tai Chi Stil ich trainiere.
Meine Wahl fiel auf Tai Chi Chuan, langer Yang-Stil, 108 Figuren.
Das ist in meinen Augen auch weiterhin die optimale Wahl.
Aber nun im Laufe der Zeit merkte ich, dass es da doch einen inneren Konflikt in mir gibt.
Der eine Teil sagt: Ruhe, Entspannung, Gesundheit,  also eher der Yang-Stil
Der andere Teil aber sagt: Doch etwas mehr Fokus auf Kampfkunst, Bewegung, also eher der Chen-Stil

Da hatte ich sozusagen den Salat. Yang war/ist mir allein etwas zu fade…
Den Chen-Stil mag ich aber wegen seiner doch aggressiveren Art her nicht so gerne.

Da ich mittlerweile ja gelernt habe, dass es noch unzählige Unterarten und Varianten gibt, habe ich mich auf die Suche gemacht.


Alt und in Vergessenheit geraten

Meine Suche war nach einiger Zeit tatsächlich erfolgreich und hat mich aber auch überrascht. In vielerlei Sicht!

Ich las von einem ursprünglichen Tai Chi Stil, der wohl von Großmeister Yang Shou-Chung praktiziert und gelehrt wurde. Die Information war mir neu. Ich dachte, die alten Stile sind Chen und Yang und damit in Ihrer ursprünglichen Form.
Als ich mich weiter informierte, war ich erstaunt, dass der heute praktizierte Yang-Stil, selbst in der langen Form 108 nicht der ursprüngliche Yang-Stil ist.

Das hat natürlich mein weiteres Interesse geweckt. Ich wollte wissen, was dieses „old Spirit of Tai Chi“ ist. Manchmal wird es auch als „Old six Roads“ bezeichnet. Das sind die westlichen bzw. englischen Begriffe dafür. Da ich kein Chinesisch beherrsche, musste ich mich mit Übersetzern behelfen.
Da mir der Name des Meisters Yang Shou-Chung irgendwie bekannt vorkam, recherchierte ich weiter.

Dann das große Erstaunen. Der alte Meister hatte einen Schüler, Chu King Hung.
Das ist heute selbst ein Meister und lehrt das traditionelle Tai Chi im langen Yang Stil. Noch bemerkenswerter war, dass mein derzeitiger Tai Chi Lehrer Schüler von Meister Hung war.
Jetzt dämmerte es…
Als ich mit Tai Chi anfing und es mir mehr und mehr gefiel, habe ich mich schon intensiv damit befasst und sah z.B. in Videos, dass sich dieser Stil, den ich gerade erlerne, von den Bewegungsabläufen und den Bewegungen selbst in Videos stark unterschied. Manche Bewegungen gab es gar nicht, andere sahen ganz anders aus.
Ah! Also dachte ich, ich lerne eine etwas andere Variante.
Jetzt wollte ich es genau wissen und stellte aber fest, dass es nur sehr wenige Infos zu „the old Spirit of Tai Chi“ gibt.

Mittlerweile bin ich etwas schlauer.

Dieser old Spirit of Tai Chi, oder auch der alte Yang-Stil (ursprüngliches Yang Familiensystem) ist ziemlich selten.
Dieser Stil, also sozusagen das Yang-Original ist mehr kampfkunstorientiert, dynamischer, aber nicht schneller als der heutige „verwaschene“ gesundheitsorientierte und massentaugliche Stil.

Der Fokus liegt noch auf den Ursprüngen, also der Kampfkunst selbst und der Selbstverteidigung. Das laufen dieser Form ist auch um einiges anstrengender, da die Figuren tiefer, intensiver, ausdrucksstärker und teils explosiv verlaufen (Kraftstöße, Fajin).
Die Energie (Qi) und die Absicht/Ziel (Yi) haben einen höheren Stellenwert. 
Das bemerkenswerte dabei ist aber, dass trotzdem der meditative Faktor bewusst enthalten ist und auch wirkt. Herausfordernd dabei ist die Haltung des Geistes. Einerseits stark fokussiert, in größtmöglicher meditativer Tiefe und dennoch jederzeit mit einem sehr wachen Geisteszustand.
Nach meinen Informationen ist Meister Chu King Hung der letzte Großmeister, der diesen Stil noch beherrscht und auch zumindest in Teilen lehrt.

Ich versuche nun natürlich, diese Dinge in meine Art des Form laufens einfließen zu lassen.
Man darf ja kreativ sein und vom „Standard“ abweichen.
Einige der Besonderheiten wirst Du hier auf den Seiten noch erfahren…

Altes ist nicht immer schlecht oder überholt. Manchmal sollte man das Alte bewahren!

Mathias Hense